Start-ups, junge Labels, alteingesessene Weltfirmen – sie alle setzen auf Pop-up-Stores. Aus gutem Grund. So ein Shop auf Zeit birgt viele Vorteile.
Hier sind kreative Konzepte und inspirierende Beispiele.
Gelungene Beispiele für Pop-up-Stores von Berlin bis Bremen, von München bis Mainz.
Lässiger Look: Im November 2018 eröffnete Modemacher Marcell von Berlin in der Hessenmetropole einen Pop-up-Store. Dort zeigt der Designer auf 600 Quadratmetern noch bis Mai 2019 auf zwei Etagen seine neuesten Entwürfe in Frankfurts nobler Fashion-Meile, der Goethestraße.
Dabei treffen in Rohbau-Ambiente noble Samtsofas auf Betonwände, Samtvorhänge auf Marmortische, Couture auf Coke. Denn eine Art Kiosk mit Schokoriegeln, Getränken und Zeitungen findet sich gleich im Eingangsbereich. Konsequent durchdacht: Angekündigt nämlich hatte der Modemacher die Eröffnung eines „Spätis“, eines typischen Berliner 24-Stunden-Kioks. Und im oberen Stockwerk stellt ein Künstlerkollektiv aus der Hauptstadt neben coolen Klamotten seine Kunst aus.
Dass das Interieur nicht teuer, dafür aber höchst originell sein kann, hat das Start-up-Unternehmen Reishunger in Bremen gezeigt. Die Ausstattung ihres Pop-up-Stores wirkte simpel und edel zugleich: Die schicken Tüten mit feinen Reissorten hatten die jungen Macher im Do-it-yourself-Stil auf Holzpaletten präsentiert, von spartanischen Glühbirnen ins rechte Licht gesetzt. Eine ideale Lösung für einen Pop-up-Store: einfach aufzubauen, einfach abzubauen.
Sehr gut in einen temporären Laden passt auch Designermode im Vintagestil. Das hat die Online-Plattform Rebelle in der Hansestadt bewiesen. Zwei Monate war das Label mit seinem Edel-Second-Hand-Online-Sortiment von Chanel bis Prada an bester Adresse präsent: am Neuen Wall – ein belebender Kontrast zu den Flagship-Stores internationaler Luxusmarken. Guter Coup: Zur Eröffnungsfeier kamen Schauspieler, Models, Modeblogger. Und für Abwechslung in den beiden Monaten sorgten Talkrunden, Vernissagen und Yoga-Sessions mit Musik.
Auch Online-Gigant Amazon verzahnt Internet- und stationären Handel und lud zum Beispiel im Dezember 2018 in seinen „Home of Christmas“-Store am Berliner Ku’damm ein. In dem Pop-up-Store gab es Ware zum Berühren: Besucher konnte diverse Produkte vom Spielzeug bis zur Unterhaltungselektronik testen, sich von Geschenkexperten in Sachen Weihnachtspräsente beraten lassen und an Workshops teilnehmen. Gekauft werden konnte dort allerdings nichts: Das wurde über die App abgewickelt. Dafür wartete das Unternehmen jeden Tag mit neuen Erlebnissen für die Kunden auf. So zeigte eine Lichtshow, wie moderne Smart-Home-Vernetzung heute aussieht, Kinder probierten die neuesten Lego-Sets aus, Filmliebhaber genossen beliebte Weihnachtsklassiker.
Für nur zwei Wochen kehrte im Herbst vergangenen Jahres das Unternehmen Kokon nach München zurück, nachdem das beliebte Geschäft 2016 nach fast 30 Jahren im Lenbach-Palais geschlossen worden war. In Haidhausen präsentierte das Label seine Interieurprodukte in einem Pop-up-Store: Textilien, Accessoires, Outdoormöbel aus Naturmaterialien – und machte Werbung für seine neue Dependance.
Die Münchner Buchmacher, sieben kleine, unabhängige Verlage, hingegen haben im Dezember im Herzen der Stadt im Rathausgebäude einen Kurzzeitladen mit rund 200 Büchern eröffnet. Sie können ihn als Interim bis Ende März nutzen. So wird Geschäfte-Leerstand vermieden, die City belebt.
Auch eine große deutsche Baumarktkette setzt auf Pop-up. Erst hieß es in Köln „Stadtgrün“ mit Gartenzubehör, Pflanzen und Erde in genau der Menge, die der Kunde benötigt: Er konnte sie sich selbst abfüllen. Dann lautete bis Ende 2018 das Motto in Frankfurts Einkaufszentrum MyZeil: „Stadtbunt“. Zielgruppe war das urbane Publikum, insbesondere die Klientel zwischen 25 und 35 Jahren mit Lust aufs Heimwerken. Keine übervollen Baumarktregale erwarteten dort die Besucher, sondern ein Geschäft im minimalistischen Design mit viel Farbe. In Bastelecken und bei Workshops legten Kunde gleich selbst Hand an. Das Unternehmen ist überzeugt: Junge Leute möchten Dinge selber machen, allerdings fehlt ihnen dazu häufig das Know-how. Genau diese Lücke füllte die Aktion. Beabsichtigter Nebeneffekt: Die Firma fühlte in den beiden Pop-up-Stores in entspanntem Ambiente den Bedürfnissen und Wünschen der Kunden durch den direkten Austausch auf den Zahn.
Einen einzigen Abend nur haben die Verantwortlichen der Weinbar Laurenz in Mainz einen ehemaligen Copyshop in eine angesagte Bar verwandelt. Viel brauchte es dafür nicht: Die Theke bestand aus leeren Kisten, dazu ein paar Kühlschränke und natürlich Livemusik. Das Konzept: Abende mit Wein und Musik in unregelmäßigen Abständen an unterschiedlichen, stets außergewöhnlichen Orten zu veranstalten.

